Edward Balls

Züchter*in
ID
2715
Gattung
Sempervivum
Einordnung
S. atlanticum - Kultivar

syn. 'Ball's Form'

Beschreibungen und weitere Infos

Erwin Geiger

Eine ausgesprochen hübsche Kulturform mit besonders kugeligen Rosetten. Die Färbung der Blattunterseite ist dunkler als bei der typischen Art. Die Blattspitzen sind breit rötlichpurpurn gefärbt. Ein robuster Kultivar!

Veronika Falkenstein

Robust an einer etwas regengeschützten Stelle im Winter, sonst evtl. Totalverlust.


Georg Merkl:

Edward Kent Balls (1892-1984) war ein englischer Botaniker und Pflanzensammler. Er war bei Six Hills Nursery, eine berühmte Gärtnerei, beschäftigt. Er gestaltete alpine Gärten u. a. auch für Lionel de Rothschild in Exbury. Edward Kent Balls Tätigkeit im Gartenbau begann 1926, als er für die Six Hills Baumschule Stevenage in Kent arbeitete, obwohl er nur eine geringe Ausbildung in Gartenbau mitbrachte. Nach einigen Jahren entschloss er sich, auf die Pflanzenjagd zu gehen. Er unternahm 1932 seine erste Reise nach Persien mit Dr. P. L. Giuseppi, einem Gründungsmitglied und späteren Präsidenten des Alpengartenvereins in England. Obwohl Giuseppi nur einen Monat Zeit hatte, blieb Balls viereinhalb Monate. Sie reisten über Hamadan und Ispahan nach Shiraz und westlich nach Kerman und in die Berge von Kuh Banan. Ball erkundete später die Umgebung von Elwend. Er erkundete auch Khalat am Kuh Ajub und die Berge von Schir Kuh und Barf Kahnnich. Er brachte eine Vielzahl neuer oder verloren gegangener Pflanzen zurück, darunter sechs Arten von Dionysa curviflora, die zu dieser Zeit praktisch unbekannt waren.

Später schloss er sich mit Dr. W. Balfour Gourlay zusammen, einem engagierten Amateur-Botaniker, der den Baumschulbesitzer Clarence Elliott von Six Hills Nursery auf seinen südamerikanischen Reisen begleitet hatte. Gemeinsam unternahmen sie zwischen Februar und September 1933 zwei Reisen in die Türkei, wobei sie das Taurusgebirge und später das Pontinische Gebirge südlich von Trebizond erkundeten. 1934 kehrten Balls und Balfour Gourlay in die Türkei zurück, um weitere Gebirgszüge zu erkunden.

Die dritte Expedition in die Türkei im Jahre 1935 musste wegen Schwierigkeiten der türkischen Beamten abgebrochen werden, die ihnen die Erkundung bestimmter Gebiete untersagten. Sie hielten sie für Geheimdienstagenten.

1936 ging Balls mit Dr. Richard Seligman, einem alpinen Gärtner, nach Marokko. Sie erkundeten die Oase von Aguelmous, die vulkanischen Berge von Djebel Siroua und Djebel Amezdour, sowie auch das Gebiet von Djebel Toubkal im Atlasgebirge. Seligman kehrte nach England zurück und Balls fuhr alleine weiter und ging auch weiter nach Osten in Begleitung eines Ornithologen aus Marrakesch. Sie fuhren nach Tirsal und zum Fuße des Djebel Ghat, wo Balls eine attraktive Alpenflora vorfand. Nachdem er Hooker's Fußstapfen gefolgt war, war er jedoch erfolgreicher in seinem Sammeln und erhielt 1937 den RHS Award of Merit für die Entdeckung von Colchicum triphyllum, das in der Nähe von Tashdirt gesammelt wurde.

Im Jahr 1937 machte Balls dann einen viermonatigen Besuch in Griechenland mit Balfour Gourlay, wobei sie sich hauptsächlich auf die Pindus-Berge von Epirus konzentrierten. 1938 gingen sie in Begleitung von Frau Balls nach Mexiko um wilde Kartoffelsorten für Forschungs- und Zuchtzwecke zu sammeln. Sie erkundeten die Gebiete von Nevada de Toluca und Ojos de Agua sowie Cofre de Perote und fanden ihre ersten Kartoffeln auf Popocatepetl. Auf dem Pico de Orizaba blieben sie im Dorf Lomagrande. Die dortige Flora war so reich, dass sie später zurückkehrten, um Samen zu sammeln. Ihre Reise endete mit der Besteigung des Mt. Malinche.

Von 1944 bis 1947 leistete er Hilfsarbeit für die UNRAA, die United Nations Relief and Rehabilitation Administration, die sich mit Flüchtlingen in von Achsenmächten befreiten Gebieten befasste. Balls reiste für diese Arbeit nach Jugoslawien und China. Danach ging er in die USA, wo er für Frau Lester Rowntree in einem umfangreichen Saatgutsammelprojekt arbeitete, bevor er sich dem Rancho Santa Ana Botanic Garden in Claremont, Kalifornien, anschloss. Hier blieb er bis zu seiner Pensionierung 1960. Später zog er mit seiner Frau nach Spanien und kehrte 1967 nach England zurück, wo sie dann zusammen mit ihrer Tochter in Hull lebten.

Die Art Sempervivum minus Turrill wurde 1934 von E. K. Balls in der Nordtürkei gesammelt. Es handelt sich um eine relativ neue Art, die in der Form Sempervivum pumilum aus dem Elbruz Gebierge ähnlich ist und sich in der Kultur etwas anspruchsvoll zeigt.

Verbascum ballsianum, Salvia ballsiana, und Sempervivum atlanticum "Edward Balls" wurden ihm zu Ehren benannt.

Die Art Sempervivum ballsii wurde dem Pflanzensammler E. K. Balls gewidmet. Die Pflanze wurde auf dem Berg Tschumba Pezi in Grammos in Griechenland auf 2590 m Höhe gesammelt.

Einen ausführlichen Beitrag auf 13 Seiten von Margaret Jordan mit Bilder über das Leben von Balls findet man in der Zeitschrift The Journal of the Scottish Rock Garten Club Volume XXVII Part 2 Number 107 June 2001. Diesen Aufsatz kann man vorübergehend von meiner Homepage herunterladen.

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